Staatsgestüt Mezöhegyes

Im äußersten Südosten der ungarischen Tiefebene, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Rumänien entfernt und weit abseits der Touristenstrecke, liegt das älteste und zweifellos bedeutenste Staatsgestüt Ungarns.

Das Gestüt Mezöhegyes, das ursprünglich am 20. Dezember 1784 errichtet wurde, ist eines der ältesten Gestüte in Europa. Seine königliche Hoheit Joseph II, Kaiser von Österreich und der König von Ungarn deklarierte 1784 die Errichtung einer militärischen Pferdezucht in Ungarn, deren hauptsächliche Aufgabe es war, die Armee mit Remonten zu beliefern. Das Management des militärischen Gestüts wurde zu einer Remonten-Basis, einem Handelsplatz und zu einem Basis-Lager für Komsumgüter für die Armee verwandelt. Der Rittmeister Józef Csekonics, ein in der Armee als glänzender Organisator bekannter Pferdekenner, leitete 20 Jahre lang die Geschichte Mezöhegyes.

Die Entwicklung von drei Rassen war das Resultat dieser Zeit, nämlich der Gidran, der Nonius und der Mezohegyes (Halbblut), sie waren das Resultat eines gut überlegten und bewussten Zuchtprozesses. Leider hatte das gestüt aufgrund der damals mangelnden Hygiene häufig mit Krankheiten zu kämpfen. Im Jahre 1809 verstarben innerhalb weniger Wochen rund 1000 Pferde an einer Epidemie.

Nach dem Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn 1867, wurde Mezöhegyes dem ungarischen Schatzamt unterstellt, so dass es als österreichische Pferdezucht weiterhin gesichert war. 

Das Anwesen ist zu dieser Zeit mehr als 100 Jahre alt und es gehören mehr als 16.040ha dazu. Nach der Bewirtschaftung der Felder, der Vergrößerung des Rinderbestands und der Produktion von Schweinen, entwickelte sich ein dynamisches Wachstum. Um die Jahrhundertwende wurde Mezöhegyes zu einer der größten und modernsten landwirtschaftlichen Anwesen in Europa.

Es entwickelte sich bis zum 2. Weltkrieg ununterbrochen weiter. Durch den Krieg verlor Mezöhegyes seinen großen Viehbestand, seine Maschinen und Versorgungsmaterialien. Der Wiederaufbau musste finanziell von Anfang an unterstützt werden und dauerte bis in die sechziger Jahre. 

Mezöhegyes war keine Ausnahme bzgl. der Kollektivierung unter der sozialistischen Agrarpolitik dieser Zeit. Mit dem Anschluss der staatlichen Betriebe Dombegyház und Bánkút in den Siebzigern und dem Zusammenschluss mit der Zuckerfabrik Mezöhegyes 1981 entwickelte es sich als typischer sozialistischer landwirtschaftlicher Betrieb.

Nach dem Systemwechsel war das Kombinat, ähnlich wie die meisten landwirtschaftlichen Betriebe in Ungarn in einer sehr schlechten finanziellen Situation. Der Betrieb machte in den Jahren 1991 und 1992 die größten Verluste seit seiner Gründung. Im Januar 1991 spaltete sich die Zuckerfabrik ab und im Dezember 1992 wurde es zu einer Kapitalgesellschaft mit überwiegend staatlichem Eigentum.

Unter dem neuen Management sollte es nun profitabel bewirtschaftet werden. Zum neuen Profil gehörten der Getreideanbau, die Korn- und Milchproduktion. Die ursprüngliche Pferdezucht spielte hier eine untergeordnete Rolle. Dieser Prozess dauerte von 1992 bis 2004, dann wurde das Unternehmen durch die ungarische Regierung privatisiert. Dadurch hat sich das Unternehmen in einen landwirtschaftlichen Betrieb und Gestüt aufgeteilt.

Nach 220 Jahren wurde der größte Teil privatisiert, bis auf das Gestüt selber. Es wurde die Mezöhegyes Ltd. gegründet, die nur für die Zucht stand, unabhängig von jeglicher Unterstützung.

Die wichtigste Aufgabe ist es bis heute das Gestüt mit seinen alten Gebäuden als einzigartigen historischen und landwirtschaftlichen Schatz, sowie die Nonius als die erste ungarische Pferdrasse zu bewahren und für die Zukunft zu sichern.

Das Nationalgestüt ist eines der wenigen Gestüte der Welt, die vier unterschiedliche Pferderassen gezüchtet haben. Die wichtigste ist der Nonius. Ein vom Exterieur eher mangelhaftes Pferd mit derbem Kopf, was aber durch seine Ausdauer, gutes Temperament, Bereitwilligkeit unter dem Sattel und einem robusten, gesunden Körperbau bestach. Durch das einzüchten von Angloarabern konnte es sich verfeinern und seine Vorzüge beibehalten.

Gleichzeitig wurde dem Furioso-North-Star (Mezohegyes Halbblut oder englischem Halbblut) und dem Gidran und ungefähr 100 Jahren später das Mezöhegyes (ungarische) Sportpferd gezüchtet, das 1984 den nationalen Zuchtpreis gewonnen hat.

Nach 18 Zuchtjahren des Mezöhegyes Sportpferdes, hat die ungarische Olympia-Mannschaft den 4. Platz in Moskau bei den olympischen Spielen 1980 gewonnen. Alle drei Pferde der Mannschaft waren Mezöhegyes Sportpferde. Im Nationalgestüt werden heute nur noch Nonius und Mezöhegyes Sportpferde gezüchtet. Die anderen zwei Rassen wurden 1961 in andere Gestüte verlagert, wo sie bis heute gezüchtet werden.

Mehr als 200 Pferde stehen heute auf dem Gestüt, darunter 87 Hengste. Rund 30 Angestellte sind auf dem Gestüt beschäftigt.

In der Mitte des Anwesens liegt die einzigartige Reithalle, die 1806 errichtet wurde und seit dem in seiner Ursprünglichkeit erhalten wurde. In den ehemaligen Kasernen ist heute, nach einem entsprechenden Umbau, ein drei Sterne Hotel zu finden, das ebenfalls zum Gestüt gehört, weiterhin ist ein Museum mit historischen Gerätschaften angeschlossen.

Das Gestüt bietet neben Besichtigungen auch Kutschfahrten, Schlittenfahrten, Reitunterricht und vieles anderes an.


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