Staatsgestüt Bábolna

Das zweitälteste Staatsgestüt Ungarns liegt etwa 15 Kilometer südlich der Bezirksstadt Komárom. Ausgrabungen brachten zutage, dass es hier schon zu Römerzeit eine Siedlung gab, doch wurde diese vermutlich durch die Tataren zerstört.

Der Name Bábolna-Puszta wird erstmals in der Urkunde aus dem Jahr 1268 erwähnt. Hier wurden die von der Ungarischen Tiefebene nach Wien getriebenen, berühmten "magyar szürkemarha" (Ungarische Grauvieh-Rinder) nach einem langen Weg zum letzten Mal aussortiert, beziehungsweise eine Rast eingelegt, bis Regensburg weiter getrieben oder an die Metzger von Komárom und Gyõr verkauft. Noch heute erinnert in Bábolna die Hauptstraße daran: "Mészáros út" (Straße der Metzger).

1662 ging der Besitz an die Grafen Szapáry. 1789 wurden die Ländereien dann von Kaiser Joseph II., auf Gesuch von József Csekonics - Leiter des Gestüts Mezõhegyes - zwecks Gründung eines neuen Gestüts gekauft. Die eigentlichen Zuchtarbeiten begannen erst im Jahre 1807, nachdem Bábolna durch ein kaiserliches Dekret vom 29. Oktober 1806 zu einem selbstständigen Gestüt erhoben wurde.

Der Kürssierhauptman, der sich der ungarischen Pferdezucht verpflichtet fühlte und daneben auch über gute Verbindungen verfügte, hatte mit sicherem Auge das Gebiet zur Gründung des Militärgestüts ausgewählt, das gleichzeitig auch Haltestation der militärischen Eilboten war. Nach der Schlacht von Gyõr (1809) brannten die napoleonischen Truppen das Anwesen nieder. Durch ein einzelnes unberittenes Pferd, welches durch das Tor der Helden auf den Gestütshof galoppierte, wurde das Gestütspersonal gewarnt und man jonnte alle Tiere fortschaffen – so konnten Napoleons Truppen keine Beute machen. Das Gestüt wurde zwischen 1810-1820 wieder neu aufgebaut.

Als der napoleonische Krieg 1816 beendet war, wurde die Zucht wieder aufgenommen. Man schrieb die Zucht von im Arabertyp stehenden Halbblütern vor und holte aus Frankreich dafür unter anderem die Hengste Thibon, Ulysso, Mustaphe und Tharax.
Durch die Vermittlung von Baron Fechtig kamen die Hengste Siglavy, Gidran, Ebchen sowie die Stute Tiffle direkt aus Arabien.
1833 brach die Beschälerseuche in Bábolna aus, welcher in kurzer Zeit 52 Mutterstuten zum Opfer fielen.
Im Jahre 1836 kam aus Syrien der weltberühmte Hengst Shagya nach Bábolna, dessen Nachkommen auch Heute noch in vielen Ländern sehr geschätzt sind.

Unter den Kommandanten von Bábolna ist die Geschichte von Mihály Fadlallah el Hedad die merkwürdigste. Seine Liebe zu den Pferden brachte ihn im Jahr 1857 vom weit entfernten Syrien nach Bábolna, wo er eine neue Heimat fand und später auch Leiter des Gestüts wurde. Einer der späteren Kommandanten von Bábolna, Tibor Pettkó-Szandtner, der Begründer der modernen Gespannführung, war nach dem Zweiten Weltkrieg auch Leiter des königlichen Gestüts in Ägypten.

In den zwanziger und dreißiger Jahren galt Bábolna als eines der bedeutendsten Arabergestüte Weltweit. Kuhaylan-Zaid und der aus Weil in Württemberg stammende Hengst Sven-Hedin, in Ungarn als Kemir bekannt geworden, waren die berühmtesten Deckhengste dieser Epoche.
Nach einigen Rückschlägen erkannte man erst in den sechziger Jahren den Wert der Wüstenpferde wieder. Die wichtigsten Hengste in den folgenden Jahren waren Gaza VII, der Rappe O'Bajan XIII, Kemir II, Jussuf VII und Shagya XXXVI. Der Silberschimmel Farag wurde aus dem ägyptischen Staatsgestüt El Zahraa eingeführt. Sein Vater Morafic stand in den USA und galt dort als bedeutender Vererber.

19 Zuchthengste und 51 Zuchtstuten bilden den Basisbestand des aus ca. 268 Pferden bestehenden Arabergestüts. Die reinrassigen Araberpferde aus Ägypten bedeuten einen beachtlichen Wert in der Arabervollblutzucht. Die typischen Merkmale des Shagyas sind geprägt von Eleganz, harmonischer Bewegung, außerordentlicher Gutmütigkeit und Lernfähigkeit, gepaart mit großer Leistungsfähigkeit und idealen Proportionen.

In dem Gestüt Dióspuszta des Nationalgestüts Bábolna GmbH werden seit fast vier Jahrzehnten die Englischen Vollblüter gezüchtet. Die Rennpferde aus Bábolna haben mit ihren ausgezeichneten Ergebnissen nicht nur in Ungarn sondern auch auf den Europäischen Rennplätzen die Bekanntheit des Gestütes gesteigert. Eines der besten Beispiele ist die Englische Vollblut Stute Kinczem, welche in 54 Rennen unbesiegt blieb.

Die wirtschaftlichen Veränderungen 2001 erforderten organisatorisch eine Zweiteilung der herkömmlichen Tätigkeiten der Bábolna AG. So wurde die Pferdezucht und das Gestüt mit dem zum nationalen kulturellen Erbe gehörenden Schlosskomplex von den Wettbewerbszweigen Geflügelzucht- und Lebensmittelindustrie getrennt. Am 01. August 2001 wurde das zu 100 % im ständigen Staatsbesitz verbleibende Nationalgestüt Bábolna GmbH gegründet. Zu dessen grundlegender Aufgabe die Bewahrung des Schlosskomplexes, des Gestüts und des Pferdebestandes gehört sowie die Weiterführung des überkommenen ideellen Erbes seit der Gründung im Jahre 1789.

Bei der Besichtigung des Gestütshofes mit Fremdenführer werden folgende Sehenswürdigkeiten vorgestellt: das Kutschen-, Pferdemuseen und die Ställe des weltberühmten Arabergestütes, die Reithalle, der älteste Akazienbaum von Ungarn (gepflanzt im Jahre 1710), die Gedenktafel und Büsten der Gestütskommandanten, sowie eine Ausstellung über die Geschichte der Pferdezucht. Als Rahmenprogramm bietet das Gestüt Vorführungen u.a. in Fünfer-, Vierer- und Zweispännern. Auch ein abendliches Musikprogramm in der Reithalle: Reiter mit Fanfare, Karussell, Zweispänner und die Vorführung der Hengste, gehören zu den Sehenswürdigkeiten auf dem Gestüt. Ein Botanischer Garten mit über 500 verschiedenen Pflanzen, eine Konferenz im Theater des Gestütshofes oder eine Grillparty in der malerischen Umgebung Ölbõ-Puzta gehören zu den Besonderheiten in Bábolna.

Weltweit gibt es vielleicht nur einige ausgesuchte Gestüte, die mit einer auf zwei Jahrhunderte zurückblickender Treue, Fachkenntnis und Tradition Araberpferde züchten.

Welche Qualität diese Pferde haben sieht man daran, dass ein Shagya-Araber aus Bábolna 2006 Weltmeister im Distanzreiten wurde.

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

(Stand 31.01.2016)

 

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